Ganz dem großen Vorbild John Coltrane verpflichtet
Wieder einmal hatte das Programm des Langenauer Pfleghofs Spitzenjazz im Angebot. Der amerikanische Saxophonist Chico Freeman zog zusammen mit dem Christian-Stock-Trio denn auch knapp 100 Zuhörer an.
Der aus Chicago stammende Tenor- und Sopransaxophonist Chico Freeman zählt seit Mitte der 70er Jahre zu den wichtigsten Stimmen im Jazz. Er gründete die Band "The Leaders", unter anderem mit Don Cherry und Lester Bowie, und später "The Roots" mit Arthur Blythe und Don Pullen.
Bei seinem Auftritt präsentierte er sein neues Album "The Essence of Silence", das aber von ihm mit dem Trio des österreichischen Pianisten Fritz Pauer aufgenommen wurde. Mit überwiegend Eigenkompositionen gestaltete er den Abend, der erstklassigen Modern Jazz bot, aber auch Hard Bop und modalen Jazz reflektierte. Freemans exzellentes Spiel, seine lmprovisationen und seine Chorusse, mal heiß und ekstatisch, mal lyrisch und melancholisch, sind stilistisch ganz von John Coltrane geprägt. Seinem musikalischen Übervater huldigte er in seinen Stücken "Elvin" und "Enchance", die er dessen langjährigen Begleitern Elvin Jones und McCoy Tyner gewidmet hatte. Und mit seinem "Dark Blue" zollte er Duke Ellington Respekt.
Schon aus seiner Zusammenarbeit aus den 90er Jahren kennt Freeman den Kontrabassisten Christian Stock. Dieser war mit seinem Trio der ideale Begleiter. Einerseits Rückhalt und Räume schaffend für den Star, aber andererseits präsentierten sie sich auch als gleichwertige Musiker in den Soli oder den Trioeinlagen. Schlagzeuger Walter Bittner glänzte mit abwechslungsreicher und präziser Arbeit, während Stock mit seiner Fingerfertigkeit und seinen raumfüllenden Basslinien begeisterte. Pianist Martin Schrack zeigte sowohl klassische Einflüsse wie auch die der Avantgarde, als er mit den Fäusten die Akkorde in die Tasten hämmerte.
Eine Zugabe für ein begeistertes Publikum beendete ein großartiges Konzert.
Autor: Wolfgang Häberle
Südwest Presse: Freitag, 1.04.2011
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