Drei absolute Könner im Pfleghof
Das war eines dieser Konzerte über die man nicht viel sagen muss, außer: großartig. Die Langenauer haben wieder einmal hingelangt und etwas wirklich Außergewöhnliches auf die Pfleghofbühne gebracht: Caecilie Norby.
Es ist kein wirklicher Makel, wenn man die Dänin nicht kennt, bei der Schwemme an immer neuen erstklassigen skandinavischen Sängerinnen, die uns seit einigen Jahren präsentiert werden. Man sollte sie aber kennen, denn sie gehört mit Sicherheit zur Creme der Nord-Diven.
Und: Sie ist schon eine ganze Weile mit großem Erfolg im Geschäft. Eine sogenannte Grand Dame, aber keineswegs auf dem Altenteil, sondern eine Sängerin auf der absoluten Höhe ihres Könnens.
Der Abend begann mit Joni Mitchels "Both sides now". Von Haus aus nicht so ganz einfach zu singen, im Duett mit nichts als Lars Danielsson am Kontrabass eine echte Herausforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass Danielsson kein Bassist ist, der seiner singenden Partnerin einen gefällig vor sich hin brummenden melodischen Teppich bereitet. Er umtanzt das harmonische Gerüst der Nummer und phrasiert dabei mit einer Leichtigkeit, um die ihn nicht wenige Gitarristen beneiden dürften.
Danielsson ist ein Großer seines Fachs, ebenso wie die etwas später dazu stoßende Katrine Gislinge am Flügel. Sie wird von Caecilie Norby als beste und wichtigste klassische Pianistin Dänemarks vorgestellt, was sie bescheiden fuchtelnd von sich weist, aber danach mit jedem Ton untermauert.
Zusammengefasst: Da standen drei absolute Hochkaräter auf der Bühne, die ein erstklassiges Programm zu bieten hatten. Musik von Ravel, Satie, Rimski-Korsakow. Kongenial betextet und interpretiert vor allem von Caecilie Norby. Eine Sängerin, die in allen denkbaren Facetten schillern kann und die ihr Instrument, die menschliche Stimme, mit großer Souveränität beherrscht. Eine Stimme, die aus allem, was sie anpackt, etwas Besonderes macht, eine Stimme, die in Dänemark wenig Konkurrenz haben dürfte - nicht nur in Dänemark.
Die Besucher im leider nur gerade mal halb gefüllten Saal waren von den Socken und ließen das Trio, das schon nach einer guten Stunde Feierabend machen wollte, erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.
Autor: Albert Hefele
Südwest Presse: Samstag, 12.11.2011
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