Pianist Bugge Wesseltoft im Pfleghof
Er kanns einfach nicht lassen
Im Langenauer Pfleghof begeisterte der Pianist Bugge Wesseltoft mit seinen Klangzaubereien, setzte aber auch massiv auf elektronische Hilfsmittel.
WOLFGANG HÄBERLE
Der norwegische Pianist und Komponist Bugge Wesseltoft wurde bekannt als Grenzgänger zwischen improvisiertem Jazz und elektronischer Musik, ein Stilbrecher und Neuerer, der den Jazz in die Tanzclubs brachte. Der Soundtüftler arbeitete zusammen mit dem Trompeter Nils Petter Molvaer, dem Saxophonisten Jan Garbarek, und den Sängerinnen Sidsel Endresen und Rebekka Bakken, mit der er vor Jahren schon in Langenau gastierte. Eine Jazzgröße im Pfleghof, doch der Andrang an der Kasse hielt sich sehr in Grenzen.
Wesseltoft hatte in den letzten Jahren den Eindruck bekommen, dass er sich wieder mehr dem akustischen Spiel auf dem Flügel zuwenden muss, und setzte dies auch in seiner aktuellen CD "IM" um. In sich versunken, die Klänge erforschend, entwickelte er verhaltene minimalistische geprägte Klangbilder, zeigte er, wie mit wenigen Tönen Spannung aufgebaut werden kann. Den einfühlsamen Melodien mit melancholischem Touch, oft im langsamen Tempo gespielt, unterlegte er dann dezent perkussive Loops, und mit "Take Five" lieferte er auch eine großartige Interpretation eines Standards.
Aber den zurückhaltenden Einsatz der Elektronik konnte oder wollte er nicht für das ganze Konzert durchhalten, er widmete sich immer wieder intensiv den Knöpfen, Pedalen und Reglern, um dann doch nur gängiges synthetisches Soundgeblubbere zu produzieren, und vorgefertigte Geräusche abzurufen. Natürlich hatte er die Lacher auf seiner Seite, wenn er einen Satzfetzen aus einer Rede Georg W. Bushs verfremdete, bis er wie Donald Ducks Geschnatter klang.
Leider war der sympathische Musiker auch etwas maulfaul, wie man im Schwäbischen so schön sagt. Obwohl Wesseltoft nach dem Konzert gerne jede Frage beantwortete, während des Konzerts gab es keine Ansagen. Aber gerade zu einem Werk wie "Wy", wäre eine Erklärung nötig gewesen, um die Intentionen des Musikers zu verstehen. Denn zur Musik spielte Wesseltoft Ausschnitte eines Interviews mit einer kongolesischen Frau ein, die von Entführung, Mord und Vergewaltigung im dortigen Bürgerkrieg erzählte. Mit zwei Zugaben verabschiedete sich der Musiker von seinen Fans, die bis aus dem Nordbadischen angereist waren.
(Südwest Presse: Samstag 07.06.2008)
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