KONZERT / Angélique Ionatos im Langenauer Pfleghof
Voll bittersüßer Melancholie
Chansons auf Griechisch, Französisch und Spanisch: Die griechische Sängerin Angélique Ionatos gastierte mit dem Bandoneonspieler Cesar Stroscio, dem Geiger Michael Nick und ihrem aktuellen Programm "Athénes - Paris via. .
." jetzt im Langenauer Pfleghof.
CHRISTA KANAND
Auch wenn sich der Einlass zum Konzert wegen des langen Soundchecks um eine Stunde verzögert hatte: Nach den ersten Liedern Angélique Ionatos war aller Unmut verflogen. Niemand konnte und wollte sich der Aura der schönen, grazilen Griechin und ihrer suggestiven Stimme entziehen: Chansonette, Zauberin auf den Gitarren-Saiten und antike Tragödin
zugleich.
Versunken, hingebungs- und schmerzvoll singt Angélique Ionatos. Unnachahmlich, meist mit geschlossenen Augen, zelebriert sie sich und die komplex vertonte Lyrik. Kein Platz für Banales. Verrucht rau oder in verführerischer Wärme kostet ihre perfekt abgemischte Stimme pathetische Momente aus. Träumerisch eröffnet ihre Gitarre mystische Klangwelten. Bevorzugt besinnt sich die Künstlerin auf ihre griechischen Wurzeln, wo heisere, arabeskenreiche Melodieschleifen Europa und den Balkan verbinden.
In ihrem neuen Programm "Athénes - Paris via . . ." blickt Angélique Ionatos zwischen Sirtaki und Tango auf 30 Jahre Bühnenkarriere zurück. Dabei stellte die Interpretin, die griechisch, französisch und spanisch singt, zwar große Namen wie ihren Landsmann Mikis Theodorakis oder den chilenischen Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda in ihren französischen
Ansagen heraus, aber kaum Inhalte.
Leben und Tod, Liebe, Leidenschaft und Leid, Glut und Asche, erahnte das Publikum aus Geschichten und Poesien. Schade, dass sich Michael Nick aus Mainz wortkarg zurückhielt. Seine Violine ließ er um so eindringlicher sprechen. Fiedelnd, schrammelnd, nach Noten oder improvisiert geizte er nicht mit virtuosen Finessen.
Cesar Stroscio mischte auf dem Bandoneon Flokati-kuscheligen Charme und rassige Latino-Motive unter. Großartig auch sein Interpretation von Dino Saluzzis "A mi padre". Nach 90 Minuten nonstop ließ langer Applaus das Trio nicht ohne Zugabe fort: eine griechische Serenade als Liebeserklärung an die ganze Welt.
Südwest Presse: Freitag, 10.11.2006
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