Das deutsche Wesen vor dem Puschelmikrofon
Mit einer Mischung aus Kabarett und Filmeinspielern bereitete der schräge Franzose Alfons dem Publikum im Pfleghof einen amüsanten Abend.
Witze über Deutsche kennt man ja. Doch seit einiger Zeit gibt es nun eine neue Möglichkeit, um sich über seine Mitmenschen kaputt zu lachen. Und über sich selbst. Denn schließlich hat das bundesdeutsche TV-Land ja nun Alfons, diesen ungekämmten Reportertypen, der für diverse Fernsehproduktionen durch deutsche Fußgängerzonen, Häuserflure oder Wohnzimmer zieht. Seine Markenzeichen: starker französischer Akzent, zu enge orangene Trainingsjacke und Puschelmikrofon. Mit diesem rückt er mit geradezu entwaffnendem Charme und vermeintlicher Naivität der deutschen Seele zu Leibe. Die besten Beiträge präsentierte er nun im ausverkauften Pfleghof.
Was da mitunter zutage kam, ist jedoch beileibe nicht immer lustig. So besuchte der gebürtige Emmanuel Peterfalvi auch schon norddeutsche Schrebergärtner, denen ihre Tomaten und Blümchen ganz eindeutig näher standen als der alte Nachbar, der nach dem Tod seiner Frau seinen Garten nicht mehr ordentlich pflegte: "Der bekommt jetzt die fristlose Kündigung, was denkt denn der?" Oje, mitunter kann Deutschland wohl auch so ein richtiger Schandfleck sein.
Klar, dass Alfons nicht lange nach deutschen Gepflogenheiten suchen muss, die er während des Programmes oftmals auch augenzwinkernd mit denen seiner Landsleute verglich: "Bei ihnen gibt es ja sogar ein Bundeskleingartengesetz, wir haben nicht einmal eine Straßenverkehrsordnung."
Alfons ist ein subtiler Beobachter mit Hintersinn und zudem ein schlitzohriger Kabarettist, der jede Steilvorlage seiner Interviewpartner dankbar aufnimmt und die Lacher sichtlich amüsiert genießt. So befragte er einen Mann nach den aktuellen Schönheitsidealen der Deutschen: "Wer hat denn für sie die schönsten Rundungen?" Antwort: "Ein Bierfass." Muss man da noch Pointen erfinden?
Südwest Presse: Samstag, 23.01.2010
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