Schulen
Die Reichsstadt Ulm richtete vermutlich unmittelbar nach dem Erwerb von Langenau 1377, wie in allen anderen größeren Orten ihrer Herrschaft, eine Lateinschule ein. Jakob Staudenmayer ist der erste namentlich 1425 genannte Schulmeister in Langenau.
Alte Schule an der Ach, um 1895
Die erste Nachricht über diese Schule stammt aus dem Jahr 1515. Zunächst war in einem Zimmer im Erdgeschoss die Lateinschule, 1532 die Volksschule untergebracht. Im Obergeschoss befand sich die Wohnung des Schulmeisters.
Nach der Einführung der Reformation regelte die im August 1531 verfasste Kirchenordnung das Schulwesen der Reichsstadt neu. Die wichtigste Aufgabe der drei vom Rat ernannten Schulpfleger bestand darin, bei der Auswahl der Schulmeister darauf zu achten, dass diese einen moralisch einwandfreien und der christlichen Lehre entsprechenden Lebenswandel aufwiesen sowie über ausreichende Kenntnisse der protestantischen Glaubenslehre und eine gewisse „Geschicklichkeit zu lehren“ verfügten. Regelmäßige Visitationen der Schulen dienten dazu, zu erfahren, wie die jungen Langenauer mit Wissen und sittlichen Verhaltensnormen versorgt wurden.
Nicht immer besaß der Rat bei der Auswahl der Schulmeister eine glückliche Hand. 1615 leiteten die Kirchenvisitatoren eine Untersuchung gegen einen Schulmeister, der im Verdacht des übermäßigen Alkoholgenusses stand, jedoch noch vor ihrem Abschluss verstarb. Ein halbes Jahrhundert waren sie aber voll des Lobes: die Kinder hätten das Examen glänzend bestanden und die Schule regelmäßig besucht. Letzteres war durchaus nicht selbstverständlich. Kinder wurden oft als Arbeitskräfte auf dem Feld oder im Stall gebraucht und arme Eltern schickten ihre Kinder zum Betteln statt in den Unterricht.
Die stetig steigende Schülerzahl erforderte ebenso wie die durch technischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritt bedingten und veränderten Ansprüche an die Schulbildung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine durchgreifende Modernisierung des Schulwesens: Mehr Lehrer wurden nach und nach eingestellt, das Unterrichtsangebot erweitert und nicht zuletzt neue Schulgebäude eingerichtet (Reutte-Schule in der ehemaligen Kleemeisterei 1895) oder neu gebaut (Freistegschule 1888). Dort zog am 1. Mai 1895 die Realschule ein nach einem heftigen Streit zwischen Landwirten und Gewerbe- und Handelstreibenden – erstere sahen in ihr eine unnötige Geldausgabe, letztere wünschten sich für ihre Kinder eine bessere Schulbildung.
Freistegschule, um 1890
Die wachsende Schüler- und Schülerinnenzahl erforderte den Bau eines neuen modernen Schulgebäudes.
Am 15. Oktober 1888 wurde die Freistegschule feierlich ihrer Bestimmung übergeben.
Auch die berufliche Fortbildung wurde zügig ausgebaut. Bereits in den 1860er-Jahren besuchten Bauerntöchter und –söhne während des Winters landwirtschaftliche Abendkurse. Auf Betreiben des Gewerbevereins wurde 1872 eine Gewerbliche Fortbildungsschule eingerichtet, deren Absolventen vielfach Anerkennung fanden, so erhielten sie Preise anlässlich des 25. Thronjubiläums König Karls I. 1889.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
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