Mühlen
Langenau war seit dem Hochmittelalter eine Stadt der Mühlen. Mühle an Mühle reihte sich entlang der wasserreichen Ach und Nau. Die bis 1536 dem Kloster Anhausen gehörende Öchslesmühle ist die erste, im Jahr 1143 schriftlich bezeugte Mühle.
Pferdefuhrwerk mit Kornsäcken vor der Langmühle, um 1935
Die Grafen von Werdenberg besaßen sieben Mühlen, die 1377 in den Besitz der Stadt übergingen: die Obere Mühle, die Dorf- oder Langmühle, die Baurenmühle, die Pfladermühle (seit dem 17. Jahrhundert Bunzenmühle), die Urismühle, die Beinesenmühle und die äußere Riedmühle (auch Sixenmühle).
Die Ostermühle gehörte im späten Mittelalter zum Besitz der Grafen von Helfenstein, die verschiedene Herrschaften mit ihr belehnten, so 1302 das Kloster Kaisheim. Zu erwähnen sind noch die innere Riedmühle, die spätere Mussismühle und die 1802 im Ried erbaute Seemühle.
Die Mühlen besaßen für die Existenzsicherung der Menschen in Stadt und Land eine herausragende Bedeutung, der die Müllerordnung der Reichsstadt Ulm gerecht zu werden versuchte. In erster Linie sollten Betrügereien der Müller, die ihnen Bauern oft vorwarfen und ihnen manches Mal nachgewiesen werden konnten, verhindert werden. So beschrieb die Müllerordnung exakt die technischen Einrichtungen und bestimmte die jährlich zu überprüfenden Maße der Schilden, Zargen, Mühltröge und –kästen. Es durfte kein Getreide gemahlen werden, das nicht zuvor von einem geschworenen Kornmesser oder vom Müller selbst gemessen worden war. Die Verpflichtung des Müllers zur Sauberhaltung der Mühle wurde besonders hervorgehoben.
Im 19. Jahrhundert wurde manche Mühle einer anderen Funktion als der des Kornmahlens zugeführt. Beispielsweise erhielt die Obere Mühle anfangs des 19. Jahrhunderts ein Sägewerk und ein Gipsstampfwerk (1883), die Urismühle besaß auch einen Gerbgang. Vielfach nutzten Textilfabrikanten und Handwerker in der beginnenden Industrialisierung die Wasserkraft von Mühlen vielfach, so auch in Langenau. 1869 richtete der Mechaniker Martin Bader in der Bunzenmühle eine mechanische Werkstatt ein, in der landwirtschaftliche Maschinen wie Futterschneidemaschinen und Brauereieinrichtungen hergestellt wurden.
Mechanische Werkstatt Bader, um 1900
Trotz technischer Modernisierungen, zum Beispiel durch den Einbau eines leistungsfähigeren Zuppingerwasserrades oder von Wasserturbinen verschwanden die Mühlen während des 20. Jahrhunderts nach und nach aus dem Langerauer Wirtschaftsleben. Übrig geblieben ist allein die Ostermühle, die nach wie vor in Betrieb ist.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
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