Landwirtschaft
Das Langenauer Becken gehörte zum Bereich der klassischen Dreifelderwirtschaft, die sich seit dem 8. Jahrhundert ausbreitete. Auf den fruchtbaren Böden baute man an Winterfrüchten vor allem Dinkel und Roggen, an Sommerfrüchten Hafer, Gerste, Bohnen, Erbsen, Linsen und Wicken an. An Tieren wurden Pferde und Kühe als Zugtiere sowie Schweine und Kleintiere gehalten. Die Weiden der Langenauer Bauern lagen im Ried, worauf beispielsweise der Flurname „Alte Viehweide“ verweist. Viehseuchen stellten eine ernste Bedrohung für die bäuerliche Existenz dar. Nur mit strenger Quarantäne und Handelsverboten gelang es, Seuchen einzudämmen.
Preisgekrönte Zuchtpferde, 1906
Bei Pferdeprämierungen errangen die Langenauer Züchter viele Preise, wie hier Balthasar Holzschuh aus Albeck für ein vierteljähriges Fohlen und eine fünfjährige Stute.
Das 19. Jahrhundert veränderte vor allem nach 1850 auch in Langenau die Landwirtschaft. Neue Anbaupflanzen wurden eingeführt: Kartoffeln, Runkelrüben und nach der Einführung der Stallfütterung Futterpflanzen wie Rotklee, Luzerne und Mais.
Auch der Obstbau gewann an Bedeutung. Die Stadt ließ auf freien Plätzen Obstbäume pflanzen, und nach 1920 förderte der Obstbauverein, auch mit Obstausstellungen, den Obstbau.
In der Viehzucht beschritt man neue Wege. Mit dem Simmentaler Rind, einer Schweizer Zuchtrasse, erzielten die Bauern gute Erfolge.
Die Pferdezucht, die nach 1870 ihren Aufschwung nahm, brachte Langenau bei den Pferdehändlern einen guten Namen ein. Die Pferdezucht bot den Bauern ein willkommenes zusätzliches Einkommen, da sich gute Zugtiere sich einer stetigen Nachfrage erfreuten. Treibende Kraft war der Pferdezuchtverein, der für den Kauf von ausgewählten Zuchttieren sorgte. Die Langenauer Pferdezüchter errangen auf Ausstellungen große Erfolge für ihre belgisch-rheinischen Kaltblüter. An die große Bedeutung der Pferdezucht erinnert das springende Ross im Stadtwappen.
Lokomobile beim Drescheinsatz, 1910.
Auch der technische Fortschritt setzte sich in der Langenauer Landwirtschaft durch. Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden Lokomobile (fahrbare Dampfmaschinen) für das Getreidedreschen eingesetzt. Nach der Einführung der Elektrizität 1901 kamen Elektromotoren zum Einsatz, z. B. beim Futterschneiden und Häckseln. Auch Sämaschinen und andere, verbesserte Arbeitsgeräte fanden zunehmend Eingang in die bäuerliche Arbeitswelt.
Bis in das 20. Jahrhundert hinein bildete die Landwirtschaft den wichtigsten Bereich des Langenauer Wirtschaftslebens. Am Ende des 19. Jahrhunderts war die landwirtschaftliche Nutzfläche vor allem durch die Kultivierung des Rieds auf über 3900 Hektar gewachsen (Langenau besaß im Übrigen zu diesem Zeitpunkt die viertgrößte Gemarkung in Württemberg). 1895 fanden noch 49 Prozent der Gesamtbevölkerung Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft. Danach sank ihr Anteil stetig von 32 Prozent (1933) auf 6,3 Prozent (1970). Viele Höfe sind seither aus dem Stadtbild verschwunden. Die Bauern siedelten aus oder gaben ihren Hof auf.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
Weitere Themen:
- Vom Dorf zur Stadt
- Das Rathaus
- Das Amtshaus
- Der Pfleghof
- Handwerk
- Mühlen
- Eisenbahn
- Die Kirche in der Stadt
- Schulen
- Vereine
zurück zur Seite "Stadtführungen"
Startseite