Handwerk
Beim Achschmid, 1931
Bereits in der Marktsiedlung des frühen 12. Jahrhunderts lebten und arbeiteten Handwerker in Langenau. Der erste Langenauer Handwerker – ein Zimmermann – wird in einer Urkunde von 1349 genannt. Erst die Quellen aus der Frühen Neuzeit ermöglichen ein genaueres Bild über das Handwerk. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten 294 Handwerker in Langenau. Die erste Stelle nahm das Textilgewerbe mit 66,2 Prozent ein, mit weitem Abstand gefolgt von den Lebensmittelberufen (12,2 Prozent), technischen Berufen wie Schmieden, Maurern, Wagner oder Hafnern (11,2 Prozent) und den Leder verarbeitenden Berufen (7,1 Prozent). Das Schlusslicht bildeten die Bader sowie die Kramer und Merzler mit je 1,7 Prozent.
Während sich im Oberdorf und Unterdorf das Textilgewerbe konzentrierte, wies das Mitteldorf eine städtische Gewerbestruktur auf. Um den Marktplatz herum besaßen vor allem die Handwerker ihre Werkstätten, die Produkte für den täglichen Bedarf herstellten und diese auf den Märkten verkauften: Bäcker und Metzger, Kramer und Merzler sowie Binder, Seiler, Hafner oder Schuhmacher.
Alle Handwerker standen unter der Aufsicht des Ulmer Rats. Handwerksordnungen bestimmten die Art, Qualität und Zahl der Erzeugnisse, legten die Bestimmungen für die Lehrzeit, die Gesellenprüfung und den Erwerb des Meisterrechts fest. Darüber hinaus wurden die Handwerke voneinander abgegrenzt, um jedem Meister einen ausreichenden Verdienst zu ermöglichen. Taxordnungen legten die Preise für handwerkliche Erzeugnisse und Arbeiten fest. Auf diese Weise wurde das Einkommen der Handwerker gesichert und der Konsument vor Preistreibereien geschützt. Jeder Langenauer Handwerksmeister gehörte der jeweiligen Zunft in der Stadt an. Nur die Schuhmacher, Biersieder und Metzger konnten im 17. Jahrhundert nach zähen Verhandlungen mit dem Rat eigene Zünfte durchsetzen.
Taxordnung der Nagelschmiede, 1639
Das bedeutendste Handwerk war bis zum Dreißigjährigen Krieg die Barchentweberei, danach durfte nur noch Leinen gewebt werden. Langenau bildete mit Merklingen ein Zentrum der Landweberei der Reichsstadt Ulm. Dem Salbuch von 1710 zufolge gingen insgesamt 194 Weber, davon 50 bzw. 56 im Ober- und Unterdorf, diesem Handwerk nach. Die Langenauer Weber lebten in ärmlichen Verhältnissen. Oft versuchten sie, trotz der harten Strafen, ihre Waren im benachbarten Ausland (Günzburg) zu verkaufen, wo sie bessere Preise erhielten.
Mit dem Beginn der Industrialisierung veränderte sich das Handwerk. Vor allem nach 1900 entstanden neue Beruf, wie zum Beispiel Automechaniker oder Elektriker. Der 1870 gegründete Gewerbeverein bewährte sich vielfach als Interessenvertretung des gewerblichen Mittelstandes. Durch zahlreiche Aktivitäten förderte er das Handwerk in Langenau. Stellvertretend sei hier die Gewerbliche Fortbildungsschule genannt.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
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