Eisenbahn
Die Geschichte des Anschlusses von Langenau an das württembergische Eisenbahnnetz ist gekennzeichnet von einem bemerkenswerten bürgerschaftlichen Engagement, das von einem breiten Bündnis aus kommunalen Verwaltungen, Handel und Gewerbe sowie Bürgern getragen wurde.
Nachdem der württembergische Landtag im März 1857 auf eine Verbindung zwischen Lonsee und Aalen verzichtet und stattdessen sich für eine Verbindung zwischen Ulm und Aalen, von wo aus die Anbindung an das bayerische Eisenbahnnetz in Nördlingen vollzogen werden sollte, entschieden hatte, schien der Eisenbahnanschluss nur noch eine Frage (und natürlich der Finanzen) zu sein. Rasch wurden entsprechende Denkschriften verfasst und Stuttgart gesandt, im Mai 1858 ein Eisenbahnkomitee gegründet, dem Gemeinden des Brenztales sowie Langenau angehörten, und schließlich beschloss, nicht zuletzt wegen der breiten Zustimmung der Bevölkerung, der Landtag am 17. November 1858 den Bau der Eisenbahnlinie durch da Brenztal nach Ulm.
Doch es sollte anders kommen. Ein Staatsvertrag zwischen den Königreichen Bayern und Württemberg vom 21. Dezember zerstörte alle Hoffnungen und Träume. Denn die so genannte Brenztal-Klausel bestimmte, dass erst zwölf Jahre nach der Eröffnung der Strecke Cannstatt – Nördlingen eine Verbindung zwischen dieser Linie und Ulm mit dem Anschluss nach Friedrichshafen gebaut werden durfte. Sie galt bis zum 2. Oktober 1875. Bayern hatte sich damit einen Vorteil im Konkurrenzkampf um den lukrativen Transitverkehr verschafft, den Württemberg teuer bezahlte – auch auf Kosten von Langenau.
In Langenau war die Enttäuschung groß, doch man gab nicht auf. Wenn schon die Brenztal-Klausel bittere und offensichtlicht unveränderbare Realität war, so versuchte man beharrlich sie zu lockern, indem die Stadt mit Unterstützung der Ulmer Handels- und Gewerbekammer den Bau der Strecke Heidenheim – Langenau forderte, was ihrer Ansicht nach nicht im Widerspruch zur besagten Klausel stand, und zumal schon im September 1864 die Teilstrecke von Aalen nach Heidenheim eröffnet worden war. Doch Bayern beharrte auf die Brenztal-Klausel, und in den württembergischen Eisenbahngesetzen jener Jahre fand das Anliegen der Langenauer keine Beachtung.

Bahnhofsgebäude um 1910
Im Dezember 1872 lagen endlich die Pläne für die Trassenführung vor. Die Bauarbeiten begannen im Sommer des folgenden Jahres, ein Jahr später erreichten sie mit dem Durchbruch des „Spitzigen Berges“ Langenau. Ein heftiger Streit entbrannte über den Standort des Bahnhofs, und vor allem die Verbindungsstraße zwischen Stadt und Bahnhof entzündete die Gemüter. Nach kontrovers und oft polemisch geführter Diskussion entschied sich der Gemeinderat vor allem Hinblick auf das Wachsen der Stadt für die Stichstraße zwischen Marktplatz und Bahnhof.

Bahnwärter Beck mit Familie, um 1910
Die Bediensteten der Württem-bergischen Staatseisenbahn waren oft ehemalige Berufs-soldaten und Unteroffiziere. Sie erfüllten als Repräsentanten des Staates vor Ort eine wichtige Funktion und verkörperten Ideale wie Ordnung, Tüchtigkeit und Disziplin.
Die Eröffnung der Bahnstrecke am 7. Januar 1876 verlief zur großen Enttäuschung nüchtern – man hatte sich auf eine große Feier im festlich geschmückte Bahnhofsgebäude vorbereitet, doch Minister von Mittnacht gewährte der Festversammlung nur knappe fünf Minuten. Auch der erwartete wirtschaftliche Aufschwung durch die Ansiedlung von Fabriken stellte sich nicht ein. Dennoch bedeutete die Eisenbahn für Langenau einen großen Fortschritt. Landwirtschaftliche Produkte, vor allem Getreide, konnten nun abtransportiert werden, Handwerker bezogen über die Eisenbahn Rohstoffe und versandten ihre Produkte auf dem Schienweg, und schließlich ermöglichte die Eisenbahn für Menschen Ausflüge, zum Beispiel an den Bodensee, was ihnen zuvor kaum möglich gewesen war.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
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