Langenau von den Anfängen bis heute
Auf annähernd 2000 Jahre Geschichte blickt Langenau im Jubiläumsjahr. Schon die römische Siedlung übte eine zentralörtliche Funktion aus – eine Funktion, die Langenau bis heute nahezu ununterbrochen innehat.
Diese Siedlung, an der Straße von Mainz nach Augsburg liegend, ging zu Beginn des ersten nachchristlichen Jahrhunderts vermutlich aus einem Truppenlager hervor, das während des Straßenbaus errichtet und nach der Fertigstellung des Alenkastells in Heidenheim (um 90 n. Chr.) aufgegeben worden war. Die genaue Lage des so genannten Vicus und auch seinen Namen kennen wir nicht. Die Archäologen vermuten ihn zwischen Martinskirche und Nau. Handwerker, Händler und Wirte lebten mit ihren Familien in dem Vicus. Die Produkte der Gutshöfe, die die Siedlung im Westen und Norden umgaben, wurden hierher gebracht und zu den Kastellen in Heidenheim und Aalen weiter transportiert.
Die Alemannen zerstörten um 260 n. Chr. die römische Siedlung. Eine erste Alemannensiedlung entstand bereits in früher nachrömischer Zeit – das spätere Untere Dorf. Eine Besiedlung im Bereich der Römersiedlung lässt sich dagegen erst für die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts nachweisen. Mit der Einrichtung eines fränkischen Verwaltungshofes, des heutigen Pfleghofs, und dem wohl gleichzeitigen Bau der ersten Kirche um 635 gewann die Siedlung als Verwaltungsmittelpunkt an Bedeutung. Die archäologische Überlieferung der beiden Alemannensiedlungen reicht bis in das frühe 8. Jahrhundert zurück. Danach verschwinden sie für zwei Jahrhunderte im Dunkel der Geschichte.

Prospekt des großen Ulmischen Markt- und Oberamtsflecken Langenau, von Nordwest nach Südost anzusehen Christoph Kleemann 1792, Aquarell.
Erst am 9. September 1003 tritt Langenau wieder in das Licht der Geschichte. König Heinrich II. tauschte an diesem Tag königliche Güter um Roding im bayerischen Wald gegen einen Hof des Bischofs von Bamberg, der in Nawe (sprich Naue) lag und der heutige Pfleghof ist. Graf Manegold II. von Dillingen erhielt diesen Hof zu Lehen. Das Grafengeschlecht der Dillinger, eine der mächtigsten Adelsfamilien in Süddeutschland, besaß in Nau um Umgebung zahlreiche Güter. Auch die erstmals 1107 genannten Herren von Albeck waren in Langenau reich begütert. Das Geschlecht starb 1293 aus, sein Besitz ging an Graf Rudolf II. von Werdenberg über. Dieser stattete 1301 sein Dorf Nau mit den Rechten und Freiheiten der Stadt Ulm aus und ließ die junge Stadt zum Mittelpunkt seiner Herrschaft ausbauen.
Der in finanzielle Nöte geratene Graf Heinrich III. von Werdenberg verkaufte 1377 einen Teil seines Besitzes, darunter Langenau, an die Reichsstadt Ulm. Ulm hob das nur ein Jahr zuvor bestätigte Stadtrecht zwar formal nicht auf, doch Langenau wurde auf den Status eines reichsstädtisch ulmischen Dorfes gedrückt – seine Bewohner wurden wie jeder Untertan auf dem Land behandelt und genossen keine Rechte oder Freiheiten wie die Bürger in der Stadt. Dennoch behielt Langenau seinen städtischen Charakter im Mittleren Dorf bei. Dort lebten vor allem im Bereich des Marktplatzes wie in einer Stadt zahlreiche Handwerker, die Waren des alltäglichen Gebrauchs herstellten und diese auf den Märkten verkauften. Auch seine zentralörtliche Funktion konnte Langenau bewahren. Es wurde der Sitz des Oberamtmannes. Am Ende des 18. Jahrhunderts gehörten zum Oberamt Langenau die Dörfer Wettingen, Öllingen, Bissingen, Nerenstetten, Asselfingen und Setzingen.
Langenau blieb in der Frühen Neuzeit von kriegerischen Ereignissen nicht verschont. Vor allem während des Dreißigjährigen Krieges litten die Menschen unter der Geißel des Krieges. Einquartierungen, Brandschatzungen und Plünderungen brachten die Menschen an den Rand ihrer Existenz. Die Jahre 1634/35 brachten den traurigen Höhepunkt des Krieges in Langenau. Im Juli 1634 besetzten schwedische Truppen Langenau; insgesamt 85 Häuser wurden verwüstet oder gingen in Flammen auf. Im folgenden Jahr wütete die Pest. Am Ende des Krieges hatte Langenau rund ein Drittel seiner Bevölkerung verloren. Auch im Pfälzischen Krieg (1688 – 1697), Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1713/14) sowie in den Revolutions- und Napoleonischen Kriegen blieb Langenau von Plünderungen, Kontributionen und Einquartierungen nicht verschont.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brach auch in Langenau eine neue Zeit an. Zunächst endete die reichsstädtische Zeit 1802 mit dem Übergang an Bayern; 1810 kam Langenau schließlich an das Königreich Württemberg. Der Aufbruch in die Moderne begann mit der württembergischen Verfassung von 1819, die die Rechte der Gemeinde in die Hände eines Gemeinderates legte. Dieser wurde von den Gemeindebürgern gewählt und von einem ebenfalls gewählten Bürgerausschuss kontrolliert. Damit erkannte der Gesetzgeber die Gemeinden als die Urzellen des Staates an. An der Spitze der Stadt stand nun ein Stadtschultheiß, ebenfalls von den Gemeindebürgern gewählt, allerdings bestimmte die Kreisregierung denjenigen Kandidaten zum Stadtschultheiß auf Lebenszeit, der ihr als geeignet galt. Die Erhebung zur Stadt 1848 nahm der Gemeinderat eher nüchtern und ohne einen Festakt zur Kenntnis.
Der eigentliche Aufbruch in die Moderne setzte erst nach der Jahrhundertmitte in kleinen Schritten ein. Ein erstes Zeichen markierte der Eisenbahnanschluss im Januar 1876. Allerdings blieben der erwartete wirtschaftliche Aufschwung und das Wachsen der Stadt aus. Noch blieb die Landwirtschaft der bedeutendste Wirtschaftssektor der Stadt, nur zögerlich setzten sich Fabriken durch.
Auch die Stadt selbst wuchs nur langsam. Von 1871 bis 1919 erhöhte sich die Einwohnerzahl lediglich von 3655 auf 3767. Erst danach setzte ein stärkeres Wachstum ein (1939: 4350 Einwohner). Nach 1945 schnellte die Einwohnerzahl durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen auf rund 6500. Heute zählt die Stadt rund 12 000 Einwohner.
In den vergangenen 50 Jahren veränderte sich die Stadt wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Dieser Wandel vom Landstädtchen zur modernen Stadt von heute wird am veränderten Stadtbild besonders sichtbar. Zahlreiche neue Wohn- und Geschäftshäuser in der Kernstadt stehen neben den liebevoll restaurierten historischen Gebäuden – Tradition und Moderne bilden eine gelungene Einheit.
In der Nachkriegszeit fasste die Industrie in Langenau endlich Fuß – noch heute bildet die gewerbliche Produktion einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Langenau wurde zugleich zu einer attraktiven Einkaufsstadt für die nähere und weitere Umgebung. Die Ansiedlung neuer Unternehmen, z. B. an der Bundesautobahn A 7, weist Langenau in anschaulicher Weise als dynamischen Wirtschaftsstandort aus. Viele Infrastrukturmaßnahmen, beispielsweise im Gesundheits-, Sozial- und Schulwesen, begleiteten den Modernisierungsprozess. Die zahlreichen Vereine und das vielfältige Kulturleben ermöglichen eine attraktive Freizeitgestaltung für jedermann. Nicht zuletzt laden das Lonetal und das Donauried zu erholsamen Wanderungen und Radtouren ein.
aus Schmidt, Uwe, "Langenau von den Anfängen bis heute - ein kleiner Führer durch die Geschichte der Stadt", 2003
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